Diskussion – Klischees / Stereotypen

Ich habe grade Tales of Symphonia beendet und während ich sehr viel Spass mit dem Gameplay, der Musik und dem Weltdesign hatte stellte sich mir eine Frage nachdem ich etwas über die Story und die Charaktere nachdachte.

Sind Klischees und Stereotypen wirklich so schlecht wie manche Leute sagen?

Oberflächlich gesehen ist Tales of Symphonia eine Standard „Gut gegen Böse – Rette die Welt“ Geschichte. Der Protagonist Lloyd ist der Standard Held, welcher sich selbst opfern würde um seine Freunde und die Welt zu retten. Die Protagonistin Colette ist eine tollpatschige „Prinzessin in Nöten“, die ständig von Lloyd gerettet werden muss. Und Yggdrasil sieht so aus als wäre er nur böse um böse zu sein.

Diese Liste könnte man nun noch ewig so weiterziehen und doch spielt es keine Rolle. Fokussiere ich mich nur auf diese Punkte, bleibt mir ein bitterer Beigeschmack im Mund und ich könnte Tales of Symphonia gar ein schlechtes Spiel in den Bereichen Story und Charaktere nennen.

Schauen wir jedoch ein wenig tiefer in die Charaktere und ziehen die kleinen Dialoge in Betracht, die man mit einem einfachen Druck auf die „Back“ Taste seines XBox 360 Controllers auslösen kann sobald sie unten Links aufploppen, erhalten wir ein ganz anderes Bild. Die Charaktere fangen an sich von ihren Stereotypen abzuheben und dreidimensional zu werden. Ausserdem wird gleichzeitig auch die Welt deutlich tiefer ausgearbeitet.

Lloyd ist nicht so stark, wie man es von aussen sieht. Er hat damit zu kämpfen, Menschen umgebracht zu haben und aus seinem Dorf verbannt worden zu sein. Ausserdem kommt ein grosser Teil seiner Stärke nur von seiner Beziehung zu seinen Freunden.

Colette ist nicht so hilflos wie es den Anschein hat. Sie zeigt grosse Stärke trotz der Dinge, durch welche sie gehen muss (Verrat ihres „wahren“ Vaters, die Schmerzen welche sie durch den Cruxius Kristall erleidet usw.) und kämpft mit ihren Kameraden an einer Seite anstatt sich hinter ihnen zu verkriechen.

Und Yggdrasils Wahnsinn kommt nicht einfach nur davon, dass er seine Schwester verloren hat und sie um jeden Preis wiederbeleben will sondern ist ein komplexes Ergebnis der Unterdrückung und Diskriminierung der Halbelfen in der Welt von Tales of Symphonia sowie der Kriege, ausgelöst durch die Erfindung von grossen magischen Waffen.

Worauf ich hiermit hinaus möchte ist: Es geht nicht darum OB man Klischees / Stereotypen nutzt, sondern WIE man sie nutzt.

Um meinen Standpunkt zu verstärken möchte ich gerne ein schlechtes Beispiel anhand des Anime „The Asterisk War“ aufzeigen.

Die Charaktere in diesem Anime sind eigentlich keine richtigen Charaktere, sondern laufende und sprechende Klischees, die nichts tun um sich in irgendeiner Weise von diesem Klischee / Stereotyp abzuheben.

Protagonist Amagiri ist ein typischer Harem Protagonist mit übertriebener Stärke, auf den einfache alle Mädchen fliegen, wie Motten zum Licht. Er hilft immer allen Leuten in Not, weil seiner Schwester dies auch getan hat bzw. ein Magic Highschool Harem Protagonist dies nun einmal tut.

Protagonistin Julis ist eine typische Tsundere. Nicht mehr und nicht weniger. Sie startet mit Hass auf den Protagonisten (Ausgelöst durch eine dieser „witzigen“ Unterwäsche Szenen) und verliebt sich danach in ihn, weil dass die Aufgabe ihres Stereotypen ist.

Dann haben wir noch die Kindheitsfreundin mit einer vorgefertigten Beziehung als Erklärung dafür, dass sie in den Protagonisten verliebt ist und die Schulratspräsidentin / grosse Schwester mit den grossen Brüsten. Offensichtlich ist sie auch in den Protagonisten verliebt.

Die Charaktere von „The Asterisk War“ sind nicht mehr und nicht weniger als diese Stereotypen bzw. Klischees. Sie bekommen keine Erklärungen oder Vergangenheitsszenen um zu erklären warum sie so handeln wie sie es tun. Wir sollen ihr Verhalten akzeptieren wie es ist, weil sich ihre Klischees nun einmal so verhalten sollten und so bleiben sie eindimensionale leere Hüllen.

Was lernen wir also hieraus: Ein Klischee zu nutzen ist im Grunde nichts schlimmes oder falsches. Es kommt auf die Ausführung des Klischees an. Die Handlungen der Charaktere sollten aufgrund ihrer Vergangenheit, der Ereignisse um sie herum und der Beziehungen zu den anderen Charakteren Sinn machen und sollten nicht nur davon gelenkt sein, wie sich ein Klischee normalerweise verhält.

Ein gut genutztes Klischee / Stereotyp kann ein genauso starkes Element sein wie eine frische neue Idee und kann unter Umständen sogar interessanter sein.

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