Persona 3 – Die Akzeptanz des Endes

Die Tarot Karten oder um etwas genauer zu sein, die 22 Trumpfkarten (Grosse Arkana) sind ein essentieller Teil der Persona Serie. Sie fügen sich zu einer Metapher für die Reise des Lebens und die Veränderungen, die damit kommen zusammen. Persona 3 beschäftigt sich praktisch ausschliesslich mit einem bestimmte Teil dieser Reise: Karte XII – Der Tod. Im Gegensatz zu dem was man glauben könnte, repräsentiert “Der Tod” nicht ausschliesslich den physischen Tod. Vielmehr steht diese Karte für das Ende von etwas im Allgemeinen oder einfach nur den Wechsel von einer alten, in eine neue Denkweise und die Akzeptanz, die damit einhergehen muss. Persona 3 umschlingt diese Idee bzw. Thematik und baut seine komplett Geschichte und viele kleine Details darum auf. Das fängt bei kleinen Dingen an, wie das sich die Charaktere in ihren Kopf schiessen müssen um ihre Persona Fähigkeiten zu aktivieren und endet mit einem der verrücktesten Endkämpfe aller Zeiten, der den Spieler praktisch anschreit aufzugeben und das Ende einfach zu akzeptieren.

Da die Hauptgeschichte von Persona 3 jedoch ziemlich aufgesplittet ist und meistens nur am Ende eines Monats weitererzählt wird, zeigt sich die Thematik des Spiels am Stärksten in den kleinen Geschichten der Nebencharaktere. Das kann durchaus wenig subtil und für jeden verständlich sein, wie bei Akinari, einem todkranken Mann, den der Protagonist nur kurze Zeit vor Akinaris Tod trifft. Die Gespräche mit Akinari sind meiner Meinung nach der am besten geschriebene Teil der Nebengeschichten. Sie erlauben eine Reflektion auf den Sinn des Lebens aus der Sicht einer Person wie Akinari und dass alles zu einem Ende kommen zu lassen vielleicht gar keine so schlimme Sache ist. Durch die Interaktionen mit dem Protagonisten ändert Akinari erfolgreich seine Denkweise. Von einer Person, die einfach nur auf das Ende wartet, zu jemandem, der seine Fussabdrücke irgendwo in der Welt zurücklassen will und sei es auch nur in den Gedanken eines guten Freundes.

Da der Tod in diese Geschichte direkt involviert ist, ist es wohl das beste Beispiel für die Bedeutung der Tarot Karte, wenn man nur ihren Namen hört. Maiko zeigt auf der anderen Seite jedoch, dass der physische Tod nicht involviert sein muss um die Thematik weiter zu ergründen, im Bezug auf die Akzeptanz und die Änderung der Denkweise. An dem Zeitpunkt, an welchem der Protagonist Maiko begegnet, stehen ihre Eltern kurz vor einer Scheidung, die sie nicht akzeptieren will, in der Hoffnung, dass einfach wieder alles besser wird. Nachdem sie einige Zeit mit dem Protagonisten verbringt und er zu ihrer emotionalen Stütze wird, entscheidet sie von zu Hause wegzulaufen, um ihre Eltern durch die Angst um sie wieder zusammenzubringen. Natürlich funktioniert dieser Plan nicht, jedoch sorgt ihr Verschwinden dafür, dass ihre Eltern mit ihr ernsthaft über das Thema reden, wodurch sie das Ende oder “den Tod” der Beziehung ihrer Eltern akzeptieren kann.

Auf ähnliche Weisen zeigen die Geschichten aller Nebencharaktere auf irgendeine Weise das Ende von einer Sache und die Akzeptanz der Charaktere dem gegenüber. Persona 3 geht in diesem Zusammenhang sogar soweit den “End of Service” eines MMORPG’s als Metapher dafür zu nehmen.

Ungefähr im Dezember sollte der Spieler jedoch einen Grossteil der Geschichten der Nebencharaktere abgeschlossen haben und das markiert auch den Punkt an welchem die Hauptgeschichte eine drastische Kursänderung macht und sich stark in den Vordergrund drängt. Jedoch ist die auf “den Tod” bezogene Thematik des Spiels auch schon davor ein präsenter Teil der Geschichte. Mit dem Opfer von Chidori und dem tragischen Tod von Mitsurus Vater zeigt Persona 3 wie die davon betroffenen Parteien mit diesen abrupten Enden umgehen müssen, sie akzeptieren müssen, um nicht in einen Zustand der geistigen Paralyse zu verfallen. Im Dezember jedoch zeigt sich der wahre Feind der Menschheit. Nur ein Monat bleibt bevor dieser das Ende von Allem bringen wird und durch seine enorme Macht besteht keine Hoffnung auf einen Kampf. Die Hauptcharakteren werden daraufhin vor eine schreckliche Wahl gestellt: Wollen sie ihre Erinnerungen verlieren und ohne das Wissen über das Ende in Frieden sterben oder wollen sie ihre Erinnerungen behalten und in Angst und Schrecken auf das unvermeidliche Ende warten.

Das ist nicht nur einer der besten Momente des Spiels bezogen auf die Geschichte, sondern auch eine der besten Stellen für die Nutzung von Musik, da diese für den Rest des Spiels von fröhlichem J-Pop, zu einem ruhigen, atmosphärischen und melancholischen Ton wechselt, der die Schwere der Entscheidung tief im Spieler selbst verankert. Über den Kurs des Monats ändern die Hauptcharaktere ihre anfängliche Akzeptanz für ihren Tod jedoch und entscheiden sich dafür zu kämpfen, denn wenn sie schon sterben müssen, dann können sie auch ihre Möglichstes probieren um das Ende vielleicht doch noch abzuwenden: Eine Änderung der Denkweise und gleichzeitig eine wunderbare Darstellung dafür, dass die Reise durch die 22 Arkana nicht mit der 13. Karte endet.

Nachdem die Hauptcharaktere ihre Entscheidung getroffen haben, treffen sie am 31. Januar auf den wahren Feind: Nyx. Ich habe es schon am Anfang angeschnitten, aber Nyx ist wohl einer der verrücktesten Endkämpfe aller Zeiten. Wenn das Ziel der Entwickler war, dass der Spieler genau das Gleiche fühlen soll wie die Charaktere, dann habe sie mehr als nur Erfolg gehabt. Der Kampf gegen Nyx kann gut und gerne eine ganze Stunde dauern und mit dem brutalen Moveset in der letzten Phase kann die Akzeptanz für das Ende früher kommen als erwartet. Ich verstehe immer noch nicht wie die Attacke “Night Queen” es in das fertige Spiel geschafft hat..

Sollte man diese Hürde jedoch überstehen, so ist der Kampf für den Spieler zwar eigentlich vorbei, für die Charaktere fängt der Schmerz jedoch gerade erst an. Nyx bäumt sich ein letztes Mal auf und der Protagonist muss sich selbst opfern, sein eigenes Ende akzeptieren, um die Welt zu retten. Ich denke es ist wichtig anzumerken, dass der Spieler derjenige ist, der den Knopf für die letzte Attacke drückt und so unterbewusst auch das Ende des Spiels akzeptieren muss. Als ich sagte, dass der Schmerz für die Charaktere gerade erst anfängt, bezog ich mich auf das Epilog Kapitel “The Answer” welches in der FES Edition von Persona 3 enthalten ist.

The Answer stellt zum Abschluss eine komprimierte Form der Thematik des Hauptspiels dar. Dieser komplette Teil der Geschichte existiert nämlich nur als Reaktion auf das Opfer des Protagonisten und den Schmerz, welchen die anderen Hauptcharaktere dadurch fühlen mussten. Man kann es sich wahrscheinlich schon denken, aber die Hauptcharaktere konnten seinen Tod nicht akzeptieren und so auch nicht wirklich mit ihrem normalen Leben weitermachen. Sie sind gefangen in den Klauen der Vergangenheit und werden innerlich von Selbstzweifel und Schwäche zermürbt. Da die “Shadows” (Gegner in Persona) aus dem Unterbewusstsein der menschlichen Psyche geboren werden entsteht so ein neuer Feind für die Gruppe: Eine Art Kampf gegen sich Selbst. Am Ende wortwörtlich, da die Ablehnung des Todes vom Protagonisten, bei Charakteren wie Yukari und Mitsuru, so stark ist, dass sie ihn wiederbeleben wollen, womit aber nicht die ganze Gruppe einverstanden ist. Da ich selbst schon einen Freund verloren habe, konnte ich den Standpunkt der Gruppe von Yukari hier sehr gut verstehen und fand den daraus resultierenden Konflikt durchaus emotional. Jedoch fand ich mich selbst auf der Seite derer wieder, die den Tod des Protagonisten akzeptieren und sein Opfer in allen Ehren halten wollen. Das ist schlussendlich auch was nach Abschluss der emotionalen Kämpfe zwischen den Hauptcharakteren passiert. Yukari und ihre Gruppe verstehen, dass den Protagonisten wiederzubeleben keine Lösung für ihre psychischen Probleme ist und die ganze Gruppe akzeptiert sein Ende, ändern damit ihre alte zu einer neuen Denkweise und wachsen so als Menschen.

Ich hoffe euch hat meine Interpretation der Thematik von Persona 3 gefallen. Da ich thematische Analysen ziemlich schwer zu schreiben finde würde ich mich über Feedback jeglicher Art freuen. Gedanken zu Persona 3 als Spiel sind natürlich auch gerne gesehen. Zum Schluss möchte ich euch noch mit einem Zitat aus Persona 3 zurücklassen, das mir ziemlich stark in Erinnerung geblieben ist.

“Two in harmony surpasses one in perfection.” – Takeharu Kirijo

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